Explosionen

Wer meine blog posts so liest, der könnte meinen, die Frau Buntraum hätte alles im Griff. Da „funktioniert“ das Kind. Die Welt ist wunderbar, weil sie immer am besten weiß, wie man wann wohl reagieren sollte. Aber ich kann Euch beruhigen. Auch ich explodiere. Und das nicht selten.

Gerade jetzt, in der Schwangerschaft mit Frau Klein, ist es um meine Geduld nicht allzu gut bestellt. Da kann es schon mal passieren, dass ich ausflippe. Weil Herr Klein, sagen wir, nach dem Gang auf den Topf seine Hose nicht wieder anziehen will, aber verkühlt ist und ich es für WICHTIG halte. Das sage ich auch. In ca. 3 verschiedenen Variationen. Immer lauter werdend. Mit immer anderen Worten vermischt. Aber dieses Kind will. einfach. nicht. hören. Nein – auch auf mich nicht. Frau Superbelesen und in verschiedenen Ausbildungen steckend, wo genau solche Situationen immer wieder Thema sind. Und alles so logisch erscheint und klar.
Nein, in solchen Momenten bin ich eine ganz normale Mutter.

Aber ob Mutter oder FamilienberaterIn/begleiterIn/pädagogIn – ich habe hier zwei Möglichkeiten:

1) Ich kann mich maßlos ärgern und aufregen. Darüber, dass dieses Kind nicht hören will. Dass es trotzt und bockt anstatt sich ganz einfach diese Hose anzuziehen. Ich kann sogar noch weiter gehen und mich bei Verwandten oder Bekannten (oder im Social Web bei „Fremden“) darüber auslassen, wie knietief dieses Kind gerade in der Trotzphase steckt und wie unglaublich mühsam und anstrengend das ist. Und dann kann ich schauen, was weiter passiert.

oder aber:

2) Ich kann mir eine ruhige Minute nehmen – entweder jetzt gleich, während das Kind sich weiterhin weigert, oder später am Abend ganz in Ruhe. Und dann kann ich überlegen, warum diese Situation WIRKLICH eskaliert ist. Denn dass ein Kind einer Bitte oder Aufforderung nicht nachkommt, geschieht ja häufiger. Allerdings gibt es Momente, in denen wir das gut aushalten und gemeinsam einen Weg finden. Und dann gibt es diese Eskalationen.

Dabei tut es gut, einen Schritt zurückzutreten und nicht nur diese Situation zu rahmen, sondern die Umgebung mit, den ganzen Tag, die Stimmung, die Atmosphäre. Und recht bald werden einem einige Dinge einfallen. Dass man unzufrieden ist – sei es mit der Unordnung im Haus und des Nichtnachkommens mit der Hausarbeit, mit dem eigenen Wohlbefinden oder mit Ärger, den man aus der Arbeit (unbewusst) mit hinausgetragen hat. Es können einfache Dinge wie Müdigkeit oder Hunger sein, oder auch Gereiztheit auf Grund von … Nun, da gibt es wohl genügend Gründe. Oft kann man feststellen, wie man dem Kind recht schnell eine grantige Laune und Trotz unterstellt, bis man darauf kommt, dass das Kind ja nur unsere schlechte Laune spiegelt.

Egal was man entdeckt – es ist eine Reflexion. Eine Reflexion von Situationen und Stimmungen, die immer wieder auftreten werden. Und die man so vielleicht lernen kann zu verhindern. Oder vor dem großen Knall abzubrechen.
Vielleicht steht man aber auch einfach nur an. Nichts, was ein wirklicher Grund für diese Eskalation sein könnte, will einem einfallen. Dann gilt es, diese Situationen über einen längeren Zeitraum zu beobachten. Und spätestens dann wird etwas auftauchen.

All das mag mühsamer klingen, als sich zurückzulehnen und zu behaupten, das Kind sei „In einer Phase“. Aber auf längere Sicht ist es – davon bin ich überzeugt – die gesündere Variante. Weil sie hilft, unser Kind UND uns selbst besser zu verstehen. Einen gemeinsamen Weg zu finden, anstatt „Law und Order“ durchzusetzen.

Also nein, ich bin nicht perfekt. Ich weiß nicht immer Rat und einen glatten Ausweg. Aber letztendlich würde mich das auch zu einer perfekten Puppe machen, mit einem perfekten Kind und einem perfekten Leben. Wie fad wäre das denn ?

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2 Gedanken zu „Explosionen

  1. Stimme dir da weitgehend zu, allerdings glaube ich, dass es auch vice versa funktioniert: also das auch die Kinder mal Phasen haben, wo sie sich einfach nicht so wohl in ihrer Haut fühlen (unabhängig von uns). Wenn da eine elterliche und eine kindliche miese Phase zusammenfällt, dann ist es am schlimmsten, mit den Explosionen, denke ich. 😉

  2. Da hast Du natürlich recht. Es klingt hier vielleicht auch oft so, als wären IMMER nur die Eltern schuld an allem. Das liegt daran, dass ich die Kinder oft verteidige, die in den Erzählungen und in der Gesellschaft oft als so "unmöglich" hingestellt und als trotzig oder stur abgestempelt werden. Aber ja, die Kollisionen mieser Phasen auf beiden Seiten is wohl ganz bitterböse… Und gehört wohl dennoch auch dazu…

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