Alles eso oder was ?

Ich bin keine wirkliche Esotante. Ich kenne mich wenig mit Kartenlegen, Aromaölen oder Geisterplauderei aus. Im Laufe der letzten Jahre habe ich jedoch mehr und mehr Faszination an Dingen gefunden, die einige wohl nicht für „normal“ oder „rational“ halten würden. Das ist ok. Für normal wurde ich bisher selten gehalten in meinem Leben. Und das ist gut so.

Im letzten Modul ging es um das Thema Entspannung und wie man sie fördert bzw. unterstützt. Von Atemtechniken über Aromatherapie bis hin zu Bachblüten. Alles ziemliches Neuland für mich. Aber nicht nur das – ich hatte nicht einmal wirklich Lust, mich damit auseinanderzusetzen. Dem Thema Öle stehe ich sehr skeptisch gegenüber, was daran liegen könnte, dass ich so intensive Gerüche überhaupt nicht vertrage. Schon gar nicht die einschlägig beliebten wie Lavendel, Rose oder Vanille.
Das Thema Bachblüten hingegen hat mich dann nach einigem Einlesen etwas mehr interessiert und ich kann mir vorstellen, es zu vertiefen. Dass ich jedoch selbst durch Wiesen hüpfe und Blüten pflücke, bezweifle ich jedoch stark. Aber ich glaube eben fest daran, dass es mehr gibt, als nur Schulmedizin. Dennoch möchte ich diese nicht verteufeln.

Ich denke es ist normal, wenn man Mutter wird, dass man sich mit Alternativen zum Alltäglichen und Allgegenwärtigen befasst. Ich hatte das auch vor. Einen Homöopathiekurs wollte ich nach der Geburt ganz und gar belegen und meinem Kind klassische Medikamente aus der Schulmedizin weitesgehend ersparen. Tja, dann kam die Diagnose Herzfehler und ich verabreichte Medikamente, die nicht nur eine leichte Entzündung oder Erkältung heilen sollten, sondern die den Blutdruck senkten und das Blut entwässerten. Medikamtente, deren Namen ich wohl mein Leben nicht vergessen werde. Die Homöopathie war nebensächlich, denn auf sie konnte und wollte ich nun wirklich nicht zählen. Stattdessen war und bin ich der Schulmedizin dankbar. Denn sie hat uns Leben gegeben. Lebenswertes Leben.

Ich werde also in meiner Arbeit weder das eine, noch das andere stark befürworten. Denn so, wie ich gelernt habe, dass die Schulmedizin nicht nur mit der Pharmaindustrie unter einer Decke steckt und Menschen verängstigt, so habe ich auch gelernt, dass es mehr gibt, als das, was wir sehen und hören. Dass es ein Inneres gibt, dass so belebt ist und so dominant, dass es Sinn macht, hineinzuhören in den eigenen Körper, und Kontakt aufzunehmen mit all dem, was dort „arbeitet“.

Während der Gesprächsabende bei unserer Spielraumleiterin habe ich schon öfter gelernt, das vieles von dem, was wir tun oder sagen, nicht von uns JETZT kommt, sondern von Verhaltensmustern und Schemen, die uns anerzogen und antrainiert wurden. Und von Emotionen, die ganz tief verankert schlummern, aber denen wir teilweise erlauben, an die Oberfläche zu schießen und die Führung zu übernehmen. So ging (oder geht) es mir mit meiner Wut.
Ich wusste schon immer, dass sie sehr stark ist und wenn sie hervortritt, schnell die Kontrolle übernimmt. Als Kind war ich der Sturkopf der Familie, wurde „liebevoll“ Bohrmaschine genannt, als Teenager galt ich als extrem bockig oder eigensinnig.
Ein Kind treibt einen schnell an seine Grenzen und kitzelt diese – und gerade diese negativen – Emotionen hervor. Mein Kind tut das eben mit meiner Wut und was passiert, ist, dass ich AUSFLIPPE. Ich schreie oder schmeiße etws durch den Raum (Was gut ist, wenn ich es tue, weil er etwas wirft, von dem ich nicht möchte, dass er es wirft). Ich stürme hinaus und knalle Türen. Mein Kind erschreckt und schreit. Nichts davon ist gut. Jedenfalls nicht in diesem Ausmaß.

Was also tun? Dem Kind erklären, dass meine Grenzen schnell mit so einem Wutanfall verbunden sind, und dass er bitte aufhören möge? Wenn das funktionieren würde, wären einige Eltern weniger verzweifelt. Was unsere Spielraumleiterin Brigitte mit mir getan hat, war mir erst unglaublich suspekt. Umso mehr hat mich die Wirkung beeindruckt.

Ich sollte das Gefühl beschreiben. Ihm Form und Farbe geben. Und dann versuchen, ihm einen Platz, einen Raum in mir zu geben. Und während ich mich anfangs noch etwas sträubte, sprudelte es schon aus mir heraus. Dieses tiefe kräftige rote Ding, was da eckig und kantig in mir „wütet“ und viel zu groß ist, um ihm in meinem Körper Raum zu geben. Also bat sie mich, es irgendwo im Raum zu platzieren. An der gegenüberliegenden Wand, schien mir gut. Nur weit genug weg. Dann sagte sie, ich solle mir vorstellen, wie es da also steht und Augen hat. Ein Gesicht. In diese Augen sollte ich nun tief hineinblicken. Und bevor ich denken konnte „Was für ein Blödsinn.“ übermannte mich alles andere. Ich brach in Tränen aus. Ich schaute diesem riesigen roten entstellt kantigen Monster in seine riesigen hängenden Augen und dachte „Komm zurück. Du bist ein Teil von mir. Lass mich nicht allein.“ Und in Gedanken fiel ich diesem Monster um den Hals und hielt es ganz ganz fest. Aber ich sagte ihm auch (mit Brigittes Hilfe), dass es keine Berechtigung hat, die Führung zu übernehmen. Dass es ok ist, wenn es da ist. Aber dass es mich nicht außer gefecht setzen darf.
Und das werde ich ihm immer und immer wieder sagen. Wenn mir Spielzeugautos um die Ohren fliegen, ein drittes „Nein.“ aus unerklärlichen Gründen nicht als Nein bei meinem Sohn ankommt oder ich mich beim Wickeln durch meinen äußerst quirliges Kind mal wieder linkshändisch anstelle und mit Zeug beschmiert bin, was andere schnellstmöglich durch Kanalrohre jagen.
Du bist ein Teil von mir, liebes Monster. Aber nein, Du bist nicht ich.

Und wer das nun für esoterischen Quatsch hält, der kann das selber mal probieren. Und wer es dann immernoch für esoterischen Quatsch hält, hat eben seine Art, mit seinen Monstern und Drachen zu leben.

Verzeiht mir, wenn ich einiges von dieser Arbeit in meine mit einfließen lasse. Sagt mir, wenn es Euch zu viel wird. Denn ich bin keine Esotante. Aber ganz normal bin ich auch nicht.

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