Kind sein


Momentan komm ich ja nicht wirklich zum Lesen von Literatur oder Belletristik. Da liegen Skripte, Fachbücher und ein www. Nun bin ich aber krank. In die Badewanne lasse ich grundsätzlich nur Belletristik mit hinein. Aber selbst dabei ist mein Geist für Familien und Kinder wachsam und entdeckt diese wundervollen Zeilen von Thomas Mann.

„Und zwischen zwei Kriegen, unberührt und ruhevoll in den Falten seines Schürzenkleidchens und dem Gelock seines weichen Haares, spielt der kleine Johann im Garten am Springbrunnen oder auf dem „Altan“, der eigens für ihn durch eine kleine Säulenestrade vom Vorplatz der zweiten Etage abgetrennt ist, die Spiele seiner 4 1/2 Jahre… Diese Spiele, deren Tiefsinn und Reiz kein Erwachsener mehr zu verstehen vermag, und zu denen nichts weiter nötig ist als drei Kieselsteine oder ein Stück Holz, das vielleicht eine Löwenzahnblüte als Helm trägt: vor allem aber die reine, starke, inbrünstige, keusche, noch ungestörte und uneingeschüchterte Phantasie jenes glücksseligen Alters, wo das Leben sich noch scheut, uns anzutasten, wo noch weder Pflicht noch Schuld Hand an uns zu legen wagt, wo wir sehen, hören, lachen, staunen und träumen dürfen, ohne daß noch die Welt Dienste von uns verlangt… wo die Ungeduld derer, die wir doch lieben möchten, uns noch nicht nach Anzeichen und ersten Beweisen quält, daß wir diese Dienste mit Tüchtigkeit werden leisten können…“
(Thomas Mann, Die Buddenbrooks)

Lasst die Kinder wieder mehr Kind sein!

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