Auf dem Möbiusband zwischen Leben 1.0 und Leben 2.0

Mit Herrn Klein besuche ich einen Piklerspielraum. Einen solchen eben, weil ich in jeder anderen Spielgruppe, in der gesungen, gereimt und bespaßt wird, verrückt werden würde. Im Piklerspielraum kann ich sitzen und beobachten. Herr Klein spielt oder sitzt bei mir und beobachtet auch. Seelenmassage für ihn und mich.
Teil dieses Spielraumes sind jedoch auch die Gesprächsabende. Ohne Herrn Klein versteht sich. Physisch. Denn hier ist Zeit und Raum um Gedanken und Probleme mit und ums Kind zu besprechen und eventuell sogar auszuräumen. Diese Gesprächsabende sind es auch, auf die ich mich in meiner zukünftigen Tätigkeit als Familienbegleiterin und Spielraumleiterin besonders freue. Obwohl sie wohl die besondere Herausforderung sind.

Am Montag habe ich wieder mit zwei Hüten beim Gesprächsabend gelauscht. Dem Hut der Mutter von Herrn Klein, die hier die Tips und Ratschläge zu (eventuell noch auftretenden) Problemen aufsaugt. Und mit dem Hut des Lebens 2.0. In dem ich ebensolche Probleme selber helfen werde zu lösen. Bis dahin? Ein weiter Weg, um Fragestellungen, Kommunikation und Gesprächsführung zu verbessern und zu perfektionieren. (ich bin Jungfrau, Perfektionismus ausgeprägt).
Aber wie ? Sicher nicht, während ich 4 Tage die Woche im Büro des Lebens 1.0 sitze. Praxiserfahrung ist von Nöten, die kommt aber erst, wenn ich wirklich drin schwimme im Leben 2.0. Das tue ich, wenn ich für meine Kurse lerne, wenn ich Fernkursmodule bearbeite, wenn ich hier blogge oder abends im Bett gedankenversunken in die Zukunft schaue. Morgens wieder der Weg ins Büro, wo sich Arbeit und Projekte stapeln, die mich größtenteils tangieren. Das Problem: Das Geld. Ich kann nicht einfach so von heute auf morgen mein Leben 1.0 beenden und ins nächste starten. Ich brauche die Sicherheit, damit Geld zu verdienen. Sprich KlientInnen, ein Konzept, Termine und Preise. Eine Webseite, Werbung und genug vorbereitete Kurse und Workshops mit inkludiertem Hintergrundwissen, um zu starten. Der Rest kommt mit der Praxis, das weiß ich. Aber bis dahin. Bis dahin schwimme ich auf diesem Möbiusband entlang. Vormittags gefangen außen verzweifelt versuchend nach innen zu gelangen, um von dort neu anzufangen. Nachmittags, abends und am Wochenende gedanklich auf der Innenbahn reisend. Mit Ideen und Herzklopfen, Vorfreude auf all die Türen, die sich dann öffnen werden.
Und so rase ich innen – außen – innen – außen – … entlang ohne irgendwo wirklich zu sein.

Die Fahrt ist mühsam. Und ich sehe momentan keinen Weg hinaus, Tag für Tag, Woche für Woche vergeht Zeit, wertvolle Zeit. Mehr und mehr Ideen nehmen Raum ein in meinem Kopf. Aber das Leben 1.0 raubt Energie und Motivation, um diesen zu folgen. Bis ich eines Tages explodiere. Aber dann.

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